Im Wandel der Zeit: Musik im Film – Segen oder Fluch? | Film-Freak

Special

Teilen auf:

Im Wandel der Zeit: Musik im Film – Segen oder Fluch?

Leo
Special-Typ:
Von Leo
Veröffentlicht am Mittwoch, 20.09.2017, um 18:31 Uhr

Musik in Filmen ist, wie das Salz in der Suppe: Es braucht sie nicht unbedingt, aber ohne schmeckt es irgendwie fade. Deswegen haben wir uns in dieser Reportage damit befasst, welche Musik-Filme es denn so gibt und welche die Musik anders, besser oder auch schlechter nutzen.

Vor einiger Zeit haben wir mit dem Regisseur Dani Levy ein Gespräch zu seinem neuen Film „Die Welt der Wunderlichs“ geführt. Er räumt in seiner neuen Komödie der Musik nicht nur wichtigen Spielraum ein sondern sagt selbst sogar dazu, dass er ein derart großer Musik-Freak sei, der es kaum glauben könnte. fast 30 Jahre lang gebraucht zu haben um seinen ersten Musik-Film zu drehen und, dass ein eben solcher dem deutschen Kino ja immer gut tue. Ja wirklich, gute deutsche Musik-Filme gibt es nicht im Überfluss, aber es gibt sie doch. Auch internationale Produktionen aus diesem Genre erreichen oft große Popularität. Grund genug die besten Musik-Filme Revue passieren zu lassen.

"Woodstock" (Plakat)

Woodstock ist ein gutes Beispiel für einen Musik-Film… © 1970 Wadleigh-Maurice

Was ist denn ein Musik-Film?

Vorweg muss klar gestellt werden: Musik-Film ist nicht gleich Musik-Film. Nehmen wir das obige Beispiel von Dani Levy und seiner Komödie „Die Welt der Wunderlichs„, so ist die Bezeichnung „Musik-Film“ dem Umstand geschuldet das Musik darin ein wichtiges Stil- und Emotions-Transportmittel darstellt, womit die Handlung in den Kontext einer Musik-Casting- Show eingebettet ist. Mimi Wunderlich könnte aber genau so gut eine begnadete Malerin sein. Die meisten Musik-Filme haben daher dokumentarischen Charakter und Hintergrund, wie zum Beispiel die Dokumentation über „Woodstock“ oder Wim Wenders „Buena Vista Social Club„. Beide Arten werden hier allerdings gleichberechtigt behandelt. Das Genre hat sich im Laufe der Zeit auch etwas gewandelt. Es ist keine Seltenheit das in alten deutschen Produktionen Hans Moser oder Peter Alexander plötzlich anfangen zu Singen und wichtige, signifikante Film-Geschehnisse durch Lieder und Musik transportiert wurden. Roy Black etwa war in einigen Filmen zu sehen, die als größte Aufgabe das Darbieten seiner Gesangs-Kunst hatten; frei dem Vorbild folgend das Elvis Presley in seiner eigenen „Film-Karriere“ etabliert hatte. Aber auch unzählige Screwball-Komödien verwenden Musik als Stil-Mittel und natürlich nicht zu vergessen die Filme der Britischen Superstars „The Beatles“.

Man kam in den späten 60er und frühen 70er Jahren zunehmend auf die Idee Bands und Künstler zusätzlich zu Konzerten, Ton-Trägern und TV- Auftritten auch über den Umweg Kino zu vermarkten. Richtig „dokumentarisch“ wurde es dann Anfang der 70er Jahre als „Woodstock – 3 Days of Love and Music“ von Michael Wadleigh erschien. Die Dokumentation setzte sich, für damalige Verhältnisse, extrem aufwendig, mit dem Woodstock-Festival auseinander und hält das legendäre Konzert für die Nachwelt fest. Daneben schaffte der Erfolg des Filmes das finanzielle Desaster, welches durch das Festival selbst entstanden war, auszugleichen, denn der Film setzte in nur 18 Wochen über fünf Millionen US- Dollar um. Ein riesen Erfolg zur damaligen Zeit. Am Schnitt des Filmes beteiligt war ein alter Bekannter, der damals noch in den Kinderschuhen steckte und gerade seinen ersten Film gedreht hatte, Martin Scorsesse.

Auch Regisseure mögen Musik-Filme

"Hair" (Plakat)

Einer der ersten Musical-Filme der Weltgeschichte © 1979 United Artists

Genau dieser widmete sich, neben seiner Gangster-Epos- und Thriller- Laufbahn, auch immer wieder den musikalischen Dokumentationen und brachte 1977 mit „The Band – The Last Waltz“ einen der wohl wichtigsten Musik-Filme überhaupt in die Kinos. „The Band“ unter anderem als Tournee-Begleitung von Bob Dylan bekannt geworden, gibt ihr letztes Konzert mit unzähligen Weg-Begleitern und Gast-Auftritten von Eric Clapton, Ringo Starr, Neil Young oder eben Bob Dylan. Martin Scorsesse führte später noch bei Michael Jacksons „Bad“-Musikvideo Regie und machte Dokumentationen für und über Bob Dylan, George Harrison und die Rolling Stones. Beflügelt durch den Erfolg und die Schablone von „The Band“ ließen sich natürlich viele andere Stars des Rock ‚ Roll nicht lumpen. Nahezu jeder mehr oder weniger Bekannte Musiker hat seine eigene mehr oder weniger gelungene Dokumentation.

Wie eingangs schon erwähnt darf man das Thema „Musik-Film“ nicht nur auf seinen Dokumentationscharakter reduzieren. Die angesprochenen Beatles-Filme hatten jeweils auch eine, wenngleich äußerst rudimentäre, fiktive Handlung zur Grundlage. Natürlich gab es auch immer Filme die Musik benutzten, abseits davon ein Spektakel, wie eben ein Festival oder Konzert für die Nachwelt festzuhalten, und es wurden Musicals verfilmt. Die berühmtesten frühen Vertreter sind hier ohne Zweifel „Hair„, verfilmt von Milos Forman und „The Rocky Horror Picture Show“ nach Richard O´Briens Musical. „Grease„, „Saturday Night Fever“ und „A Chorus Line“ komplettieren die gewinnträchtigen Musical-Verfilmungen dieser Zeit und fungierten umgekehrt wohl auch als Ideen-Geber dafür erfolgreiche Filme in Musical-Form für die Bühnen der Musik-Theater zu inszenieren. Den Mehrwert der Vermarktung steigernd wurden auch die Vorstellungen verschiedener Inszenierungen abgefilmt und fürs Kino aufbereitet. Aber zurück zum richtigen Musik-Film also jenem, der Musik als zentralen Punkt der Handlung verwendet. Deutschland so sagte mir Dani Levy könnte immer einen guten solchen gebrauchen. Recht hat er. Aber wie eingangs schon erwähnt gibt es durchaus „Gute“.

"Bandits" (Plakat)

Wir Deutschen machen auch Musik-Filme © 1997 Euro Video

Unsere deutschen Musik-Filme

Katja von Garniers „Bandits“ mit Jasmin Tabatabai, Katja Riemann und Nicolette Krebitz in den Hauptrollen macht etwas bis dahin in Deutschland noch nicht da gewesenes: Die Hauptdarstellerinnen gründeten eine Band und gingen auf Tour, spielten Konzerte und schrieben eigene Songs. In diesem Gefüge gewachsen war die Darstellung der Band und der Musik eine sehr authentische. Nicht umsonst genießt „Bandits“ heute noch Kult-Status. Ähnlich angelegt verhielt es sich bei Lars Kraumes Film “ Keine Lieder über Liebe„. Die fiktive Hansen-Band setzte sich aus Hauptdarsteller Jürgen Vogel, dem Tomte-Frontmann Thees Ulmann, dem Kettcar-Mitglied Marcus Wiebusch und Max Schröder zusammen. Letzterer ist bekannter Schlagzeuger von „Olli Schulz und der Hund Marie“. Gebucht wurde für die Hansen-Band eine richtige Tour durch Deutschland, wie sie auch jede Independent-Band des Landes machen würde. Ulmen/Wiebusch/Schröder schrieben Lieder und Jürgen Vogel sang. Rund um dieses Konstrukt entstand dann der pseudo-dokumentarische Film „Keine Lieder über Liebe„. Leider glückte das Experiment trotz guter Optionen und Vorbereitung nicht wirklich. Die Kritik zum Film fiel durchwachsen und zwiespältig aus: „Verwackelte Bilder die Authentizität vorgaukeln“ und „das Vermischen von Dokumentation und Fiktion wirke eher improvisiert als gespielt“. Rein vom Aufwand des musikalischen her war „Keine Lieder über Liebe„, dennoch ein veritabler Hit und man kann den Kritikern in einem entscheidenden Punkt widersprechen: Die echten Musiker sorgten dafür, dass der Soundtrack unabhängig vom Film Erfolg haben konnte.

International wird das Genre in immer kürzer werdenden Abständen erfolgreich befeuert. Wir haben uns also für diese Reportage alle Mühe gegeben, die wichtigsten und interessantesten Musik-Filme herauszusuchen. Eines steht also fest: So lange es Musik gibt, wird es Filme über sie geben.

Welcher Musik-Film ist Dein Favorit?

Alle Infos zu dem erwähnten Film:

Kommentare
Antworten

Antwoten