Exklusiv: „Unberührt“ – Interview mit Regisseur Birner | Film-Freak

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Exklusiv: „Unberührt“ – Interview mit Regisseur Birner

Manuel Gasser
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Veröffentlicht am Dienstag, 12.04.2016, um 19:53 Uhr

Kurzfilme haben es in unserer überfüllten Spielfilm-Welt oftmals überaus schwer. Schade, denn gerade durch ihre Kürze bieten sie Filmemachern künstlerisch schier unendliche Möglichkeiten. Ein Film muss nicht lang sein um das Publikum zu begeistern: Das zeigt der gebürtige Linzer Regisseur David Birner mit seinem Werk „Der Feind des Guten“, das sogar bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde und Anfang des Jahres beim Cinevana Hollywood Film Festival ausgezeichnet worden ist. Das neueste Projekt des Jung-Regisseurs heißt „Unberührt“, wir durften ihm darüber exklusiv einige Fragen stellen, die er uns schriftlich beantwortet hat:

Film-Freak: Wie kamst du zum Medium „Film“ und was fasziniert dich daran?

David Birner: Das Medium Film hat mich schon von klein auf begeistert. Da ich französische Wurzeln hab, war es mein Cousin in Frankreich der mir damals viele amerikanische Filme gezeigt hat. Das hat mich so beeindruckt und ist einfach hängengeblieben, da wusste ich, dass ich mit Film irgendwas machen möchte. Die Faszination liegt einfach in das Eintauchen einer eigenen Welt einer eigenen Geschichte. Das Spiel aus Schauspiel, Bildern und Musik.

Film-Freak: Was war es für ein Gefühl für „Der Feind des Guten“ beim Cinevana Hollywood Film Festival ausgezeichnet zu werden?

Birner: War natürlich ein schönes Gefühl, obwohl das eher ein kleines Festival ist. Darum geht es mir aber nicht. Es ist einfach super, dass am anderen Ende der Welt Leute meinen Film sehen und er Ihnen gefällt. Super ist natürlich auch das der Respekt aus Hollywood kommt. Das ist für jeden Filmemacher glaub ich ganz schön.

Film-Freak: Wie bist du zum Projekt „Unberührt“ gekommen?

Birner: Der Hauptdarsteller von „Der Feind des Guten“ Daniel Alvermann hat mitbekommen das die „Unberührt“ – Autoren Phillip Rusch und Elisabeth Kerndl einen Regisseur suchen und hat mich somit in Verbindung gebracht.

Film-Freak: Der Film hatte ein Budget von 12.000 Euro. War es schwer an Fördermittel zu kommen?

Birner: Mittlerweile hat der Film ein Budget von 13.000 Euro. Grundsätzlich finde ich es toll, dass es ein Fördersystem hier in Österreich gibt. Und das Land Kärnten und mein Geburtsort, das Land Oberösterreich haben mich mit Freuden unterstützt. Für das Vertrauen möchte ich mich hier noch einmal ganz herzlich bedanken. Leider reichten die Förderungen für den Film nicht aus, da muss man dann auf andere Ideen kommen und kreativ werden. Ausreden gibt es keine. Private Investoren sind hier ein wichtiger Punkt. Ich müsste jetzt viele Aufzählen die mich unterstützt haben. Unter anderem hat mir die Stadtgemeinde Mödling in Niederösterreichviel geholfen oder auch Wohnkultur Höflinger aus Oberösterreich. Aber gerade im Land Kärnten hatte ich das Glück viele Filmbegeisterte Investoren finden zu können. Auch die Bevölkerung ist dort unglaublich motiviert und hilfsbereit. Ohne Kärnten hätte ich das Projekt so nicht umsetzen können.

Film-Freak: Wie viele Menschen waren in die Produktion von „Unberührt“ involviert?

Birner: Insgesamt um die 40 Personen.

Film-Freak: In nur 6 Tagen wurde der Film komplett abgedreht. Wie viele Stunden Schlaf erlaubst du dir bei solch einem Drehstress?

Birner: Also meine Schlafstunden sind unwichtig. Ich müsste keine einzige Stunde schlafen, so motiviert bin ich jedes Mal. Aber hier geht es eher weniger um mich sondern um den Cast und die Crew. Hier ist Schlaf wichtig, damit alles so funktioniert wie es funktionieren soll. Und das die Motivation hoch bleibt, für diesen Film alles zu geben.

Film-Freak: Sind die Dreharbeiten störungsfrei über die Bühne gegangen?

Birner: Ja dank der tollen Crew und den unglaublich geduldigen Schauspielern. Es ist ein Wahnsinn wie diszipliniert schon unser junger Hauptdarsteller Lorenz Pojer war. Mit so jungen Jahren eine schon so professionelle Einstellung zu haben. Hut ab. Der Lorenz hat auf jeden Fall noch eine große Zukunft vor sich. Sonst war das Wetter noch etwas unberechenbar. Aber das ist ja immer so. Da muss man sich fügen. Gegen die Natur kommt halt auch die beste Crew nicht an. Die Natur hat immer das letzte Wort.

Film-Freak: Bei „Der Feind des Guten“ hast du dich nebenbei auch noch selbst um die Filmmusik gekümmert. Wirst du das auch bei „Unberührt“ tun?

Birner: Nein. Das war ein bisschen ein Experiment. Musik wird immer eine große Leidenschaft von mir sein bzw. bleiben. Deswegen habe ich jetzt selbst eine Band gegründet mit dem Namen „Imperial Law“ um das separat neben mein Filmschaffen ausleben zu können. Ich möchte mich in Zukunft nur mehr der Regie widmen.

Film-Freak: Was willst du mit diesem Film erreichen?

Birner: Alles. Immer nach dem höchsten greifen. Natürlich muss man realistisch auch bleiben. Und die Umstände der Entstehung mit einbeziehen. Aber es muss auf jeden Fall eine Steigerung zu „Der Feind des Guten“ sein. Sei es in der Qualität oder der Filmfestivals. Der Film soll auch als Visitenkarte für Produktionsfirmen weltweit dienen.

Film-Freak: Was planst du als nächstes? Vielleicht das Science Fiction-Projekt, welches dir schon lange vorschwebt?

Birner: Ja, es wird definitiv in die Science-Fiction Richtung gehen. Das Genre fasziniert mich ja sowieso auch schon von klein auf. Ich werde deshalb noch einen Kurzfilm im Herbst dieses Jahres drehen. Hoffentlich wieder im schönen Kärnten. Das Land hat so einen unglaublich positiven Effekt auf mich gehabt. Unbedingt möchte ich da in Zukunft weitere Projekte realisieren. Und natürlich mein nächstes großes Ziel ist mein erster Spielfilm. Ich glaube da wird es langsam Zeit dafür. Pläne habe ich schon genug, aber erstmal Schritt für Schritt.

Film-Freak: Vielen Dank für das Interview!

Ganz anders als sein Vorgängerwerk soll Birners neuestes Projekt ein spannungsgeladenes Bergdrama mit einer berührenden Familientragödie vereinen. Angesiedelt gegen Ende des 19. Jahrhunderts erzählt „Unberührt“ von einer ärmlichen Familie, die auf einem kleinen, abgelegenen Bauernhof in den Bergen lebt. Nach dem Tod der Mutter leiden die beiden Kinder unter den seelischen und körperlichen Misshandlungen des Vaters. Doch dann wendet sich das Blatt.

Auch für seinen insgesamt vierten Streifen nahm sich Birner also keinen leichten Stoff vor, immerhin ist das Thema häusliche Gewalt auch heute noch brandaktuell. Bis zum Sommer soll „Unberührt“ fertig gestellt sein, dann werden wir sehen, wie das fertige Produkt aussieht. Eine Premiere des Films soll übrigens auf einem internationalen Festival, vorzugsweise Locarno (August) oder Venedig (September), erfolgen. Danach wird der Film übrigens im Kino und Fernsehen ausgestrahlt und als Video-On-Demand und DVD erhältlich sein. Wir sind gespannt und halten euch weiter auf dem Laufenden!

Was hältst Du von „Unberührt“ und was von Kurzfilmen im Allgemeinen?

Alle Infos zu "Unberührt"

Unberührt

Unberührt

2018
-
Drama
Regie: David Birner
Mit Christoph Kail, Lorenz Pojer, Verena Teresa Uyka

Angesiedelt gegen Ende des 19. Jahrhunderts erzählt der Film von einer ärmlichen Familie, die auf einem kleinen, abgelegenen Bauernhof in den Bergen lebt. Nach dem Tod der Mutter leiden die beide...

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