Sequels, Prequels, Remakes und was kommt jetzt? | Film-Freak

Kolumne

Teilen auf:

Sequels, Prequels, Remakes und was kommt jetzt?

Dominik Schuierer
Veröffentlicht am Freitag, 24.06.2016, um 17:31 Uhr
Achtung:

Diese Kolumne stellt nur die Meinung des Autors dar und nicht die der gesamten Film-Freak Redaktion!

„Wovon sie besonders schwärmt, wenn das Thema nochmal aufgewärmt“ – Frei nach Wilhelm Busch arbeiten die Filmemacher mehr und mehr nach diesem Motto, das im Laufe der Jahre ein paar Variationen erfahren hat. Der simplen Fortsetzung folgte ironischerweise das Prequel und in letzter Zeit auch ab und zu ein Reboot. Eine gute Idee oder war früher alles besser (auch die Zukunft)?

 

Indiana!
Erinnern wir uns nach an die gute alte „rauschige“ Zeit? Als ein durchgeknallter Möchtegern Cowboy – mit Nebenberuf Archäologie Koryphäe – auf der Suche nach einem willkürlichen Gegenstand und im Kampf gegen Nazis durch wilde Sümpfe stapfte. Es folgten drei Fortsetzungen – neudeutsch „Sequels“. Und sie machten eigentlich Sinn – zumindest nach damaligem Geschmack. Problemlos konnte man alle drei (von mir aus auch vier) Teile der Dschungelsaga in beliebiger Reihenfolge konsumieren. Der damals wohl mit „Star Wars“ zu wenig ausgelastete George Lucas griff mit jedem Teil erfolgreich in die Schlangengrube seiner Drehbuchideen.

Vierdimensional denken!
Vier Jahre später bastelte Robert Zemeckis an einer neuen Idee – witzigerweise nachdem er Kathleen Turner zusammen mit Michael Douglas durch einen Film schickte, dessen Ähnlichkeiten zur obigen „Indiana Jones“-Reihe wohl rein zufällig und voll beabsichtigt war.
Seine haarsträubend geniale Zeitreisegeschichte „Zurück in die Zukunft“ wäre beinahe am Ereignishorizont der Bedeutungslosigkeit verdampft: Michael J. Fox trudelte erst nach Drehbeginn ein und ersetzte den holzigen Eric Stolz. Gleichzeitig an zwei Sets drehend (nebenher lief noch die damals erfolgreiche Serie „Family Ties“) muss ihm ein Drehtag auf zwei Sets wahrlich wie eine Zeitreise erschienen sein. Vierdimensional denken! Doch dieser Wechsel “5 nach zwölf” rettete womöglich die gesamte Filmserie.
Zemeckis erkannte gnadenlos des Potential der Reihe und drehte kurzerhand Stücke der Teile 2 und 3 synchron. Frech kündigte er beide Teile an, Teil 3 folgte ein Jahr später. Ausnahmsweise: Not to be continued.
Natürlich wurde das Konzept der Fortsetzung weder von Zemeckis noch Lucas erfunden. Die obigen Beispiele stehen für eklatant unterschiedliche Herangehensweisen. Auf der einen Seite mit stolzer Brust steht die Heldenstory (ein guter Held hat viele Geschichten) auf der anderen die „to be continued“ Geschichte. Locker angehängt aber chronologisch sinnig.
Beide Konzepte funktionieren. Ob mit Boxern oder stahlhart langsam sterbenden Profis. Wir wissen, was uns erwartet, deswegen stürmen wir die Kinokassen. „We will be back“.

Fallen Dragon
Doch Geschichten nutzen sich ab, Schauspieler altern und so treibt die Furcht der Filmfinanzkasper vor dem Misserfolg die Verantwortlichen zu unglaublichen Kapriolen. Das Prequel wurde erfunden. Wie sonst könnte man erbaulicher (für die Umsatzgrafik) den gewohnten Helden durch einem jüngeren ersetzen ohne die Zuschauer mit zu viel „Time Warp“ intellektuell zu belasten?
Artig überrascht fand ich mich, als ich bei der Recherche über einige Beispiele fiel, die nicht so recht zu meiner ursprünglichen These passen wollten. Doch dazu später mehr.

„Prequels sind doch immer Mist“
Werfen wir gemeinsam doch ein paar Augen in Richtung des völlig unmotivierten „Prometheus“ (im “Alien” Universum)! Kaum zu einem richtigen Anknüpfen an die Vergangenheit hat es gereicht! Von den Logikfehlern abgesehen, traute man sich nicht einmal, die Ereignisse direkt vor die Ankunft der Nostromo (aus dem ersten „Alien“ Teil) zu legen. Dann wäre ja nach einer Folge Schluss gewesen und so können die Monster munter ewig weiter “herumeiern”…

Andere Konzepte scheitern am „Anschlußproblem“. Ein direkter Übergang zur etablierten alten ersten Folge konfrontiert die Drehbuchschreiber mit so manchen Kompromissen. Und der Zuschauer gähnt – er kennt die Charakterentwicklung doch schon lange (zumindest das Ziel). Ja – ich lästere gepflegt über „Star Wars“.

Hättet Ihr´s gewusst?
Indiana Jones und der Tempel des Todes“ – also Teil 3 – spielt vor Teil 1 – Lucas hatte die Nazis satt. Wer kann´s ihm verdenken! Aber auch „Zwei glorreiche Halunken“ – der inoffiziell dritte Teil der unvergleichlichen „Dollar Trilogie“ lässt Clint Eastwood am Ende (in seiner Vergangenheit) den Poncho überstreifen, den er in „Für eine Handvoll Dollar” tragen wird.

Reboot statt Prequel?
Zur allgemeinen Überraschung materialisierte 2009 ein recht erfolgreiches Prequel in den Kinos. J. J. Abrams gab volle Energie auf die Tachyonematrix und katapultierte die Zuschauer weit zurück in die Vergangenheit – genauer in James T. Kirks Kindheit. Doch die gezeigte Realität weicht stark von der der „historischen Dokumente“ ab, denn Abrams wagt einen Sprung in eine alternative Zeitlinie. Und so kümmert er sich ein feuchtes Warp Plasma um Anschlussfehler und polierte die alte Enterprise mit neuem Humor und leicht geänderten Charakteren auf.
Hier lauert der Ferengi im Detail: Das Prequel wird zum besseren Neustart. Auch „Terminator Genisys“ wählt diesen Weg. Nach dem bedeutungslosen vierten Teil schien die Kino Menschheit endgültig verloren. Die Flucht in die Jugend der Sarah Connor und ein herrlich gealterter – den Selbstironie Joker spielender – Schwarzenegger retten den Film.

Am Ende
Der nachträglich gedrehte Sprung zurück aus der Zukunft in die Vergangenheit wurde nicht erst in den letzten Jahren erfunden. Immer wieder juckt es die Studios, neue Gesichter auf alte Geschichten loszulassen. Das Konzept versagt immer dann, wenn das Drehbuch dem Thema nichts Neues beifügt. Ein kompletter Neustart aus der Vergangenheit kann die Serie am Leben erhalten.

Was fällt Dir als Beispiel für eine erfolgreiche Fortsetzung in der Vergangenheit ein („Dr Who“ zählt hier ausnahmsweise nicht)?

In der Kurzfassung:
Wenn den Filmemachern nichts mehr einfällt, drehen sie Fortsetzungen oder Schlimmeres? Der Trend zum Prequel ist weder neu noch in den meisten Fällen hilfreich.
Kommentare
Antworten

Antwoten