Marvel gibt die alten Helden auf: Ein Universum am Ende? | Film-Freak

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Marvel gibt die alten Helden auf: Ein Universum am Ende?

Dominik Schuierer
Veröffentlicht am Sonntag, 08.05.2016, um 09:00 Uhr
Achtung:

Diese Kolumne stellt nur die Meinung des Autors dar und nicht die der gesamten Film-Freak Redaktion!

Jahrelang schlenderte ich vollkommen unbedarft ins Action Kino. Batman fand ich teilweise cool, teilweise seltsam (je nach Jahrgang), Spider-Man brachte schon vom Konzept her wenig Biss (nicht mal zum Morgengrauen) auf die Leinwand und über Superman, den wahrlich letzten Billigflieger, brauchen wir wirklich keine Silbe verlieren. Helden, die mit Capes abheben, sollte man den Flugschein entziehen, permanent und nachhaltig.

Wer einfach arglos im Lichtspielhaus vor sich hin rezipierte, hat es möglicherweise nicht vollständig mitbekommen: Viele der handelsüblichen Superhelden kleben in einem wüsten Geisteskonstrukt zusammen, das sich selbst „Marvel Cinematic Universe“ adelt. Quasi ein Fachwerkrahmen um das Haus, das (verrückte) Helden macht.

Einleuchtend fand ich das noch nie. Schon als ich (in einer anderen Welt far far away) über „Alien versus Predator“ stolperte, war die Vorstellung ziemlich gewöhnungsbedürftig, eigentlich Unzusammenhängendes zu einem großen Ganzen zu verpressen. Ich zweifelte an der Genialität derartiger Ideen.

Marvel treibt das ganze auf die Spitze des Eisbergs und begann ab 2008 in der „Phase 1“ ein feinziseliertes Universum aus dem Kryptonit zu fräsen. Jeder Superheld bekommt seinen Platz und alles hängt irgendwie chronologisch und semantisch im Netz des großen Ganzen. Die Fans jauchzen vor Begeisterung. Endlose Forenthreads laufen vor meinem geistigen Auge ab: Beschäftigungstherapie für Marvel Autisten. „Finden Sie 10 Gründe, warum Emma Peel unbedingt im nächsten „Avengers“ Film auftreten muss und lösen Sie alle vierdimensionalen Continuity Fehler auf!“. Ich denke, Captain, da werden wir einige Tachyonen durch den Hauptschild jagen müssen (Ups. falsches Universum!).

Früher war alles besser – auch die Zukunft!

Aber wo ist denn der Schaden? Ein kleiner Time-Warp zurück („It´s just a jump to the left….“) – Iron Man (natürlich der erste Teil): Was für ein Film! Der Hobby MacGyver im Zuschauer findet sich in Tony Stark reinkarniert, der nach einem kleinen Überfall in der Wüste mal schnell einen Fusionsreaktor und einen fliegenden Anzug aus wenig mehr als Kaugummi und Spucke zusammenbastelt. Nach der erfolgreichen Selbstbefreiung priorisiert Tony leger den Fastfood Hamburger gegenüber der versammelten Presse und ignoriert nonchalant Gwyneth Paltrows verzweifelt schmachtvollen Slowmotion Blick. Das war lässig. Das war neu. Das funktionierte.

Selbst in der zusammengemanschten Version als „Avengers“ geht der Spaß noch recht gut auf. Ein paar ironische Seitenhiebe auf sich selbst retten den Film (und wiedereinmal den Weltfrieden). Doch die gigantische Action beginnt die Handlung zum Zombie Komparsen zu degradieren, der sich leise stöhnend aus dem Bild auf die Ersatzbank schiebt. Und schon im zweiten Teil schmeckt die Geschichte ranzig nach zu oft aufgewärmt. Zu viel Familiengetratsche verwässert – für einen Actionfilm – den Mittelteil (das wäre Michael Bay nicht passiert). Aber ich gönne den treu hechelnden Fans die rührende Charakterentwicklung ihrer Helden.

Das große Mixen.

Doch welcher geistige Tiefflieger hat beschlossen, einen Bogenschützen in die Reihe der Superhelden aufzunehmen (über „guck mal wer da hämmert“ Thor möchte ich einmal das gnädige Cape des Schweigens hüllen)?

Das Universum knarzt. Was nicht zusammenpasst, wird einfach passend gemacht. Aber warum? Nehmen wir mal aus der DC Welt eine ähnlich glorreiche Idee: „Superman und Batman“ in einem Film! Oh diese Kopfschmerzen (Nein – das ist kein Tumor und auch kein Kryptonit und „Nein ich habe den Film nicht gesehen“)! Was stört? Superman setze ich ja eher in die Ecke „unerklärliche Fähigkeit aus einer anderen Galaxie“, während Batman als Technologie „Early Adopter“ in einer ganz neuen Gentleman-Liga kämpft. Was soll das?

Wie oft wollen wir einen Neustart eines ausgelutschten Themas noch über die Mattscheibe floppen sehen? Der Zug für Superman ist abgeflogen und auch Batman muss seinen Karren langsam tieferlegen – sorry! Das Kompott aus beiden schmeckt nicht wirklich besser als die Summe der Teile.

Lichtblicke zeigte das Genre (auch teils außerhalb der Marvel Welt) durchaus. „Hancock“ persiflierte den genervten, verbrauchten Superheld, „Kick-Ass“ (Icon Comics) brachte eine absurde Komponente der Art „ich beschließe ein Held zu sein, also bin ich es ab heute einfach“ ins Feld (und zertrat den hoffnungsfrohen Keimling der Selbstironie gekonnt schonungslos im zweiten Teil).

Selbst den, von mir weniger geliebten „Watchmen“ (DC Comics), konnte man ja einen gewissen Retro-Style mit einem marginalen Anteil an Innovationsideenkapital nicht absprechen.

Ein Universum nach Maß?

Der Pseudo Trumpf „Cinematic Universe“ sticht nicht als Global-Ausrede für noch mehr vorhersehbar langweilige Permutationen im universalen, quervernetzen Handlungsbaukasten. Gibt´s da nicht auch was aus der aktuellen Story-„Ratio“-Farm von Marvel?

Vergessen wir mal ganz schnell Deadpool. Dieser scheinlustige, sich selbst an seiner Witzigkeit beinahe (leider vergeblich) zu Tode onanierende Kasper konnte weder „Big Daddy“ noch „Hit Girl“ („Kick-Ass“) das humoristisch innovativ levitierte Wasser reichen. Ich sehe nur tote Drehbuch-Ideen.

Überraschenderweise konnten sich ein paar marvelige Lichtblicke am indifferenten Ideenzensor vorbei schleichen: „Guardians of the Galaxy“. Ein Film, von dem ich so wenig (!) erwartete und der so prächtig (!) funktionierte! Oder „Ant-Man“, der so herrlich anspruchslos von einem Filmfehler zum nächsten hüpfte und in einer gewissen überraschenden „Pixartigkeit“ eine recht gelungene Familienunterhaltung abgab.

Wolkig mit Aussicht auf Schlimmeres!

Wo soll der Superheldenzug hingehen? Erschöpfte Figuren treffen auf tot überlaberte Drehbücher. Die technisch perfekt realisierte Langeweile („Jetzt auch in 3D, HFR und HDR!“) kann wohl niemand mehr aufhalten.

So bestätigt in „Captain America – Civil War“: Mehr Zutaten länger gemixt produzieren nicht unbedingt das bessere Gericht. Auch Solo-bewährte Helden, fürwohl für sich alleine Geschmacksträger, verwandeln dieses Werk in einen indifferenten Einheitsbrei aus dem Marvelschen ThemenMix(tm). Der neu zugekaufte Auswechselkoch „Spider-Man“ (in anderen Parallel Universum als Reinkarnation von „Jar Jar Binks“ gefürchtet) gibt noch seinen Eimer humorloses Actionglutamat dazu. Man kann es halt essen, es schmeckt aber nicht.

Marvel spielt auf Sicherheit. Sie werfen alles an Stars in Richtung Leinwand, was die – am seidenen Spinnenfaden der Logik herbei gefischte – Handlung hergeben könnte. Die Einzelcharaktere verkümmern zu Komparsen. So richtig befriedigt das keinen, weder den Anhänger der antiken Heldensaga noch den gewöhnlichen Kinogänger, der bei „Katharsis“ eher an einen Schnupfen des Protagonisten als an klassische Heldenepen denkt.

Ich kann Dich das nicht tun lassen, Marvel!

Ist Marvel noch zu retten? Liegt die Zukunft im Cameo-Universum? Zurück zu neuen Solo-Helden?

In der Kurzfassung:
Seit Einführung des "Cinematic Universe" distanziert sich Marvel Studios mehr und mehr vom Konzept des Einzelprotagonisten. "Gemeinsam vorankommen" lautet die Parole. Kann die zunehmende Helden Mixerei noch lange gut gehen?

Alle Infos zu "The First Avenger: Civil War"

The First Avenger: Civil War

The First Avenger: Civil War

2016
-
Action, Science Fiction, Thriller
Regie: Anthony Russo, Joe Russo
Mit Chris Evans, Robert Downey Jr., Scarlett Johansson

Den Ereignissen in "The Avengers: Age of Ultron" folgend, beschließen die kollektiven Regierungen der Welt eine Verordnung, die entworfen wurde, um Superhelden-Aktivitäten zu regulieren. Das pola...

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Antworten
  • Psyko_michi
    9. Mai 2016 auf 12:35

    Sorry, aber das ist weder eine objektive Meinung noch ehrliche Kritik!

    Film Freak und dann sowas wie Alien vs. Predator und alle Comic Verfilmungen durch den Dreck ziehn?

    Liebes Film Freak Team sucht euch nen anderen Schreiberling!

  • gabriele
    9. Mai 2016 auf 16:55

    Das ist so schlecht das man sich das kaum zu Ende durchlesen kann!
    Es ist wenn eine Kritik an fast allen Comic Verfilmungen (nicht nur marvel auch dc) von denen der Autor anscheinend auch kein fundiertes wissen hat.
    Die Verfilmung sind für die Fans gedacht, die sich auch dafür interessieren und nicht nur eine einfach unterhaltung suchen.
    Wer den Großteil der Verfilmungen von marvel und dc nicht versteht sollte auch einfach keine Kritik dazu veröffentlichen.
    Sucht euch lieber einen anderen schreiber oder etwas anderes worüber dieser schreiben sollte, obwohl es sein lassen bei seinem schreibstill schon eine bessere Idee wäre !

  • Flo
    9. Mai 2016 auf 19:05

    Das ist wohl der größte Bullshit den ich seit langer Zeit gelesen habe…

  • Andy
    10. Mai 2016 auf 11:34

    Hat sich einer von euch mal den Artikel vor der Veröffentlichung durchgelesen? Beim besten Willen ist es nicht möglich inhaltlich zu folgen. Dort steht nur unrecherchierter Quatsch. Grausam der Artikel .

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