„Kartoffelsalat“ – schlechtester Film aller Zeiten? | Film-Freak

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„Kartoffelsalat“ – schlechtester Film aller Zeiten?

Dominik Schuierer
Veröffentlicht am Mittwoch, 17.08.2016, um 13:23 Uhr
Achtung:

Diese Kolumne stellt nur die Meinung des Autors dar und nicht die der gesamten Film-Freak Redaktion!

„Dieser Film basiert auf einem wahren Salat“

Die kulinarisch in einigen Teilen der Republik strittig zubereitete Speise „Kartoffelsalat“ stand bekennderweise vollkommen sinnfrei Pate für den Titel dieses Films, der von Insidern als Kandidat für die Auszeichnung „Schlechtester Film aller Zeiten“ gehandelt wird. „Kartoffelsalat“ synonymisiert eine langweilige Pampe bestehend aus sinnlos zusammengemanschten Kontent-Brocken mit zäher Soße schlüpfrig (oder im Schwäbischen „feucht“) serviert. Aber genug an der Speisekarte gemeckert, widmen wir uns dem Film:

Produziert von Otto Waalkes´ „TransWaal“ Film in Konspiration mit „Take 25 Pictures“ (wären es nur so 25 geblieben) schlägt der Streifen die cineastische Brücke von den inzwischen vergeblich tot gehofften deutschen Comedy Expendables (Otto Wallkes, Martin Schneider) zum überfreshen Youtube-Langweiler-Trashpack der Neuzeit.

Im sogenannten Drehbuch steckt nicht nur ein (!) Wurm. Eine ganze Horde dieser „Fraßfreinde der Logik“ muss über das schnöde Papyrus hergefallen sein und sich anschließend optimistisch in ein paar Logiklöchern versponnen haben. Aus diesem Cocoon konnte nur ein Zombiestreifchen schlüpfen. Der Film gibt sich Highschool Teeny Horror inspiriert: Youtube-Joyce ilgt sich wenig bekleidet und zusammenhanglos, aber niedlich, durch die Opening Szenerie, während Otto zur Feier seines homöopathisch humorigen Auftritts ein paar Würstchen grillt.

Diese Performance setzt Standards für den folgenden Unterhaltungs-Limbo. Leger unterboten vom fremdschäm beladenen Sexualkundeunterricht. Wer hier den Bahnhof nicht versteht, hat wahrscheinlich den Schuss nicht gehört.

Martin Schneider widersteht – gekonnt wie erwartet – der Versuchung, witzig zu sein. Zur Kompensation beginnt das Kleptomanen Drehbuch frech „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ zu bestehlen (zugegebenerweise begeistert in ebendiesem Take Dagi Bee in ihrer Rolle als Prügelopfer – davon würden wir gerne viel mehr sehen!). Bemüht wirken die Versuche, die großen Klassiker durch die Comedy-Bohle zu ziehen. So enden die Gags, die sich (wohl getreu dem heimlichen Filmmotto: „besser gut gewollt und nicht gekonnt“) auf Blockbuster wie „Men in Black“ und „American Beauty“ beziehen, fundamental ungechillt als Rohrkrepierer. Zwischendurch jodelt sich ab und zu Otto („find ich nicht mehr gut“) ins Bild.

Ich möchte den Streifen nicht vollkommen zerfleischen. Als Physik Nerd hätte ich beinahe über die Frage des ostfriesischen Götterzoten-Reporters nach dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik gelacht. Beinahe. Hätte man den verheissungsvollen Gaul der guten Idee nicht sofort humorlos zu Tode geritten. Und so wirkt der Film wie der ungeliebte Bastard der Elternabende zu „Ferris macht blau“ und „Zombieland“ mit einem unehelichen Abstecher bei „Scott Pilgrim„.

Zurück zur Frage der Qualifikation zum „schlechtesten Film aller Zeiten“: Die Latte residiert wirklich tief – spätestens nach der „7 Zwerge“ und „00 Schneider“ Reihe. Doch haltet ein! Vielleicht war ebendiese Eure Frage fürwohl nur falsch gestellt?

„Kartoffelsalat“ erreicht nicht ernsthaft genug den Bodensatz der Trashigkeit, um lange im Gedächtnis zu bleiben – zu geschmacklos für einen bemerkenswerten Auswurf. Ohne Ideen, ohne Inspiration. Sinnlos wie ein achter Zwerg. Ein Film für die Pinkelpause (wenn es mal wieder länger dauert). Beinahe nebenwirkungsfrei auf die erhoffte Zielgruppe hinoptimiert. Die hippen Außenseiter Youtuber ließen sich vor den Karren der distinguierten Langeweile spannen und fanden sich abgestellt in der humorberuhigten Zone wieder.

Frei nach dem kulinarischen Philosophen Paul Hogan: “ Man kann es essen, aber es schmeckt beschissen!“. Wie bevorzugst Du eigentlich Deinen Kartoffelsalat?

In der Kurzfassung:
Zuviele YouTuber verderben den Film, deswegen durfte auch die abgehalfterte Deutsche Komiker Elite mitspielen. "Was für ein Salat!" - aber reichts zum schlechtesten Film aller Zeiten?

Alle Infos zu "Kartoffelsalat – Nicht Fragen!"

Kartoffelsalat – Nicht Fragen!

Kartoffelsalat – Nicht Fragen!

2015
-
Horror, Komödie
Regie: Michael David Pate
Mit Otto Waalkes, Tobias Schenke, Martin Goeres

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