„Die Sternenkrise“ – die dunkle Seite der Degeneration in Star Wars | Film-Freak

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„Die Sternenkrise“ – die dunkle Seite der Degeneration in Star Wars

Dominik Schuierer
Veröffentlicht am Dienstag, 16.01.2018, um 19:53 Uhr
Achtung:

Diese Kolumne stellt nur die Meinung des Autors dar und nicht die der gesamten Film-Freak Redaktion!

Früher war alles besser. Auch die Sternenkriege der Zukunft in einem Universum vor langer, langer Zeit! Dieser Text enthält Spoiler der „Star Wars“ Episoden 1 – 8.

Als George Lucas vor etwa 35 Jahren den „ersten Teil“ seines Weltraum Märchens in die Kinos brachte, traf uns alle diese Attacke vollkommen unvorbereitet.
Mit offenen Mündern versanken wir in den Stühlen und starrten auf diese schöne neue Weltraum-Welt: Schlachten in den Tiefen der Unendlichkeit, die so noch nie auf der Leinwand ausgefochten wurden. Garniert mit knuddeligen Robotern und spannend surrenden Laserschwertkämpfen. Eine irritierend faszinierende Mischung aus Piratenfilm und Märchen. Pointiert inszeniert mit ein paar markig zitierfähigen Sprüchen, die bald vierzig Jahre lang überdauerten.

Seit „Raumptrouille Orion“ (die es damals nur als Serie gab) und „Raumschiff Enterprise“ hatte nur Kubrick gewagt, eine derart visionäre Zukunft in die Lichtspielhäuser zu projizieren. Dessen weniger actionlastiger – dafür intellektueller – Ansatz („2001 A Space Odyssey“) dient heute noch Generationen von Cineasten als philosophisch musikalische Einschlafhilfe.

Zurück zum „Krieg der Sterne“: Allein der imposante „3D Crawl“ gemixt mit dem martialischen Soundtrack materialisierte den Kinobesucher direkt in diese Welt der Ritter von metallener Gestalt im ewigen Kampf gegen grünlich sympathische Miniaturen, vorlaut piepsender Blechdosen und ganzkörperbehaarter Wookies. Die Spaceopera begeisterte unerwartet (jedenfalls für ewig nörgelnden Ferengi unter den Filmverleihern) und fand recht schnell seine Fortsetzung: „Das Imperium schlägt zurück“ – wie passend.

Vielleicht nicht ohne Parallele auf sich selbst, taufte der (damals noch) große Lucas den damligen „Teil 2“ auch „…schlägt zurück“. So hatte er viel Zeit, Nerven und Geld in seinem Projekt vergraben und tänzelte mehrmals an der Schwelle, den ganzen Krieg schnell zu begraben. Der (alte) zweite Teil wird von vielen als der beste der besten dieses cineastischen Universums beschrieben. Nicht zu putzig, nicht zu düster und mit einem Hauch Humor und einer Priese Cliffhanger für Teil drei – Verzeihung Teil 6 – übertraf diese Schöpfung alle Erwartungen.

Doch Lucas hatte nicht nur SciFi zurück in die Kinos gebracht, sondern auch nebenher die Tricktechnik revolutioniert. Seine Firma „Industrial Light an Magic“ („ILM“) schuf bahnbrechende Effekte und seine Firma begründete den THX Qualitätsstandard, der zum ersten Mal „Kino“ mit einer Zertifizerung verband.

Lucas strebte nach Höherem (Guthaben auf dem Bankkonto?). Wie schon der große Philosoph „Joghurt“ bemerkte, wurde das Merchandising wichtiger den je. Wer hätte es da gewagt, den Meister zu stoppen, als er verkündigte, noch mehr Teile seiner großartigen Geschichte erzählen zu wollen? Viele Ideen in ihm gärten. Auch die Story vor dem Krieg erzählen, er kann. Niemand ihn aufhalten will.

Der „neue erste Teil“ schien sich vorzugsweise an der neuen Computertricktechnik zu ergötzen und einer Story zu frönen, die bis heute niemand so richtig interessiert oder verstanden hat. Natalie Portmann wetteiferte vergeblich mit Carrie Fisher um den Preis der dämlichsten Frisur seit Anbeginn der Zeit und Liam Neeson vergeudete sich in einem der überflüssigsten Filme seiner Karriere (wenn wir den samtschwarzen Mantel des Vergessens über „Taken 2“ breiten).

Neue Roboter brauchte das Land. Gefährlich sehen sie aus, doch die Firma „Imperium Dynamics“ musste wohl einige Softwareupdates verpennt haben. Die Hightec Killer waren den Jedi nicht gewachsen und überhaupt muss schnell ein Grund gefunden werden, warum „später“ (Teil 4 und folgende) keine dieser technischen Wunderwaffen wieder auftaucht.
Eine böswillig grinsende Logik. Zäsur beginnt ihr perfides Werk: früher folgten die Special Effects den Forderungen der Handlung, Neuerdings erfordert der CGI („Computer generated Image“) Spieltrieb Anapssungen am Drehbuch. Doch damit nicht genug. Die Murkserei an der Grundstory begann in rasanter Steigerung zu nerven. Mehr und mehr versinkt die Grenze zwischen Film und Computerspiel im Rauschen der Gelddruckmaschienen. Das grandios zu lange Podrace taugte hervorragend als Sound Demo der Heimkino Enthusiasten: „Ja – THX gibt es jetzt auch für zu Hause. Für den gepflegten Sternenkrieg im Wohnzimmer. Kaufen Sie jetzt! Nur heute mit einem debil feixende Ewok als Couchtisch gratis!“

Doch das wahrhaftige Böse versteckt sich hinter der unscheinbare Maske einer kleinen Maus. Unscheinbar hüpft sie aus ihrer animierten Zweidimensionalität in den Hyperraum und wirft den Traktorstrahl aus nach allen Rechten des Imperiums (inklusive der Patente auf den Lüftungsschacht des Todessterns).

Disney begräbt den Ruhm der Sternenkrieger – mit System. Prequel war gestern – „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ so lautet die Parole der frischen Weltraumzukunft! Frech kopierten die Handlanger des neuen Mäuse-Imperators aus der farbenfroh mehrdimensionalen ursprünglichen Story einen überflüssig dreidimensionalen Handlungsverschnitt: „Todesstern – jetzt erst recht“. Regisseur J. J. Abrams – den meisten bekannt durch „Lost“ – schien sich im der Verworrenheit des Weltalls und in den unendlichen Weiten der Story (wie gewohnt) verloren zu haben. Rian Johnsons Regie erarbeitet im unausweichlich folgenden „achten Teil“ den Stoff weniger kopierend als „vermanschend“. Der Macher von „Looper“ schenkte uns diesen lustigen Bastelspass aus dem „universellen Star Wars Baukasten“ mit offenen Handlungsschleifchen zu Weihnachten. Der Beginn einer „Neverending Story“ (nur ohne Glücksdrache und Harrison Ford).
Die Story-Muster gleichen sich. Die Schergen der Macht zerren eine gewohnt unschuldig widerspenstig ungezähmte Jungfrau einem abgespaceten Weltraum Bösewicht zum Verhör vor. Ein mittelböser Kommandant findet sich nach seinem unvermeidlich vorhersagbaren Versagen im Würgegriff eines imperialen Schwarzkittels. Zwischendurch teasert der Typ mit den implodiertesten Gesichtszügen und dem am meisten aufgepblasenen Ego den Freiheitskämpfer der Woche in einen Stellvertreter Zweikampf, dem er im gähnenerregenden Duell zum Opfer fallen muss. Den Pausenclown übernimmt, gewohnt pelzig, ein Wooki, der – aus Rationailiserungsgründen, den schrottreifen Millenium Falcon irgendwo durchsteuern darf. Ein bisserl Jedigeschwafel und mindestens ein Held, der keiner (mehr) sein möchte oder um seine Ablöse vom Team „schwarz“ zu Team „weiß“ verhandelt, komplettiert den üblichen Krieg der Gernegrossverdiener. Die Option „sprengen eines Planeten oder Todessterns“ (oder beides) überrascht den Kinogänger nur noch in der Impertinenz ihrer Regelmäßigkeit.

Das angesägte Franchise kippt in die falsche Richtung. Die Sprüche wirken weder markig noch ironisch, sondern „selbstbefriedigend“ (Leias „Ich habe die Frisur geändert“ sorgt gerade mal noch für betreten höfliches Gelächter im Auditorium). Mel Brooks soll – unbestätigten Lichtsprüchen zufolge – den Plan für „Spaceballs 2“ aufgegeben haben. Denn die Unterschiede zwischen Persiflage, Kopie und Original vernebeln sich. Die typischen Selbstreferenzen (des Teils 8) wirken verbraucht. Selbst das 12 Parsec alte Spiel um die Bastardverhältnisse des schwarz polierten Protagonisten zeigt Spuren von Oxidation: Wer wessen Schwiegervater werden könnte und wie Die Heldin Rey von der rollend piepsenden Konservendose R2D2 gezeugt hätte werden können, lockt keinen Droiden mehr hinter dem Zaubertrank Topf hervor.

In resignierendem Versagen zuckt die Darwinsche Theorie die Schultern: Die totgeborene verkrüppelte Kopie des „siebten Teils“ überlebt und gebar eine hübsche, aber vorhersagbar langweilige, Tochter ohne richtigen Biss. Der Disney Konzern erklärt die Handlungs-Klone Kriege für eröffnet: Willkommen in der Welt der sinnlosen hochglanz Weltraumschlachten („wir fliegen ihnen hinterher und schießen ab und zu auf sie, damit sie sehen, dass wir noch da sind“). Hier geht das Geballer so hübsch animiert wie belanglos in den Abspann über, der seine unvermeidliche endlose Weiterführung in der nächsten Fortsetzung feiern wird. Im endlosen Kampf „Gut gegen bösen Jedi“ bleibt uns nur der Tennisarm als Reminiszenz der ewig surrrenden Laserkämpfe. Hoffentlich (und da gibt´s hoffentlich bald ein Heilmittel vom netten Holodoktor: „Gute Preise, gute Besserung“).

Die debil in die Leere starrende Monotonie-Maus rührt im schmodderigen Topf vergammelter Ideenfetzen. Traurig schwimmen ein paar resigniert dreinblubbernde Porgs im grauen Handlungsbrei nach oben. Nach lebenserhaltdendem Sinn japsend stöhnen sie fragend dem Zuschauer entgegen: „Mehr? Merchandising?“.
Möge der Saft mit uns sein! Jedi erbarme Dich unser!

Was denkst Du über „Star Wars“?

In der Kurzfassung:
Abgeleitet von den ursprünglichen beiden besten Teile der "Star Wars" Trilogie, versumpfen die später gedrehten Teile mehr und mehr in Selbstverliebtheit und Ideenlosigkeit.

Alle Infos zu dem erwähnten Film:

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