Der überbewertete Mister Abrams | Film-Freak

Kolumne

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Der überbewertete Mister Abrams

Dominik Schuierer
Veröffentlicht am Freitag, 08.07.2016, um 12:29 Uhr
Achtung:

Diese Kolumne stellt nur die Meinung des Autors dar und nicht die der gesamten Film-Freak Redaktion!

Jeffrey Jacob (J.J.) Abrams dürften die meisten von uns bewusst oder unbewusst bereits in mehrfacher Dosis genossen haben. Sei es durch seine vorgeblichen Meisterleistungen als Produzent, Regisseur oder Drehbuchautor. Erfolgsverwöhnt arbeitete er an Serien wie „Alias“, „Lost“,„Fringe“, aber auch Kinoproduktionen beispielsweise „Armageddon„,“Mission: Impossible III“ und „Star Trek“ mit.

Doch richten wir einmal das ultimativ klärende subjektive Breitwand Mikroskop auf die Höhen und Tiefen dieses „Talentierten Mr. Abrams“:

Die Bestimmung

Viele erbauliche Stunden schenkte uns der 1966 in New York City geborene „J.J.“. Mag man an Zufall oder Zeitreisen glauben, just in seinem Geburtsjahr erblickte eine gewisse unbekannte Science Fiction Serie die Bildschirme der Erdlinge. In der ungewohnten Story durchquerte ein gigantisches Sternenschiff Galaxien, die nie ein Mensch zuvor gesehen hatte. Spitzohren kamen in Mode und „Star Trek“ wurde ein Welthit.
Schon im gesetzten Alter von acht Jahren zeigte der putzige „J.J.“ Interesse an der Filmerei – damals noch bewaffnet mit Super 8 Kamera. Viel später wird er dieser frühen Obsession in dem Streifen „Super 8“ Rechnung tragen, in dem er und Steven Spielberg sich einen filmischen Jugendtraum erfüllten. Der Film mit der putzigen „E.T. Geschichte“ und der autobiographischen Referenz auf den „kleinen dicken Jungen, der Filme dreht“ (AKA Abrams) erreichte auf Rotten Tomatoes ansehnliche 82%.

Der Marathon Mann

Sein erstes Drehbuch wurde mit „Filofax“ 1990 verfilmt. Es folgen Jahre teilweise vollgestopft mit mehreren Produktionsreleases in Film und Fernsehen. Kein Mensch von Langeweile dieser Mr. Abrams!

Viele neuartige Ideen kullerten aus seiner Feder: In „Alias – die Agentin“ gefiel Jennifer Garner in einem wilden Mix aus Mystery, Abenteuer und Thriller. Eine Revolution, denn im Jahre 2000 war der Zuschauer noch nicht an episodenübergreifende Handlungsfäden gewöhnt. Season fünf endete mit siechenden Quoten nach mehreren vergeblichen cliffhanger-gestützten Reanimationsversuchen der vorherigen – wenig glorreichen – drei Staffeln.

Die Rätsel Kiste

Abrams Ausnahmetalent und Obsession scheinen gekoppelt an den Glauben an eine Art „Mystery Box“ zu sein. Sehr schön erklärt er in seinem TED Talk die Geschichte der geheimnisvollen Zauberkiste, die er als Kind erwarb und nie öffnete. Eine Allegorie auf die unendlichen Möglichkeiten, die eine geschlossene Kiste – gleich der Schrödingerschen Katze – in sich bergen mag.

And we Lost him

Jetzt lichtet sich der Nebel der Illusion. „Lost“ sollte nie ein konkretes Ende finden. Und hier flaniert der Meister auf hölzernen Wegen. Er vergleicht gern (siehe eben den oben erwähnten Talk) den Spannungsbogen der ersten Star Wars Teile (nach heutiger Zählung Teil IV-VI) mit seiner „Mystery Box“. Doch hier irrt der Meister: Zuschauer mögen Spannung, erschaffen aus Ungewissheit, vergöttern aber gleichzeitig auch deren Auflösung. Wie eine Kadenz in der Musik mit der Auflösung enden muss (und ohne diese vom Zuhörer als „hängend unvollständig“ empfunden wird), zeichnet sich ein gutes Rätsel durch eine geniale (oder zumindest intelligente) Lösung aus.

Andere von ihm erarbeitete Serien liefen mittelgut. „Undercovers“ wurde nach einer Season eingestellt, seine Serie „Fringe“ lief erfolgreich 100 Episoden lang.

A new Hope

Abrams Drehbuchleistungen scheinen durchwachsen. Gerne dürfte er mehr Filme wie „Filofax – Ich bin du und du bist nichts“ oder „Super 8“ in die Kinos werfen! Auch kramte er mit dem Star Trek Neustart die verschüttete Filmreihe wieder erfolgreich aus der Mottenkiste der Geschichte. Doch Film lebt bekanntlich von Licht und Schatten. Während wir über das „Armageddon“-Drehbuch noch den Mantel der humorigen Selbstpersiflage werfen dürfen, enttäuschte doch die fundamental nicht vorhanden Kreativleistung in „Star Wars: Das Erwachen der Macht“. Da Abrams hier sowohl die Geschichte verbrach als auch im Regiestuhl Platz nahm, trifft ihn die volle Last der Verantwortung dieser unterlassenen Hilfeleistung am siechenden „Krieg der Sterne“ Epos.

Intervention

Sprichwörtlich bekannt für seine Neigung, eigentlich unerwünschte Gegenlichteffekte in der Kamera (Lenseflares) als Stilmittel einzusetzen, frönte der Regieprofi dieses Steckenpferdes in „Star Trek„, für einige endgültig zu viel. In einem Interview mit Craveonline gestand er seine Sucht und entschuldigte sich bei den Fans. Besser wäre gewesen, er hätten seiner Reue über den späteren „Star Trek into Darkness“ Ausdruck verliehen!

Unsolved Mysteries

J. J. Abrams Drehbücher überzeugen, von homöopathischen Ausnahmen abgesehen, eher selten. Bewaffnet mit einem guten (!) Drehbuch hingegen sieht seine Erfolgsbilanz viel erfreulicher aus. Die 2011 und 2015 inszenierten „Mission Impossible“ Fortsetzungen gelangen unter seiner Produzententätigkeit deutlich genialer als der dritte Teil, für den er leider die Geschichte verdarb.
Seine Marotte, der optischen Spielereien, mag der Zuschauer noch geradeso tolerieren, doch hat sein Hang zu unendlichen Serien-Cliffhangern das Publikum für seine Geschichten verbraucht (wobei man ihm das grausige Ende von „Person of Interest“ ausnahmsweise nicht in die Schuhe schieben darf).

Was hältst Du von J.J. Abrams?

In der Kurzfassung:
Der Name J. J. Abrams scheint eng mit Erfolg verknüpft. Kaum kratzt man aber ein wenig an der Oberfläche, so wirkt der Autor Abrams nicht mehr so glorreich, wie er auf den ersten Blick schien.
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