Auf der Suche nach dem guten „Star Trek“-Film | Film-Freak

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Auf der Suche nach dem guten „Star Trek“-Film

Dominik Schuierer
Veröffentlicht am Samstag, 23.07.2016, um 12:55 Uhr
Achtung:

Diese Kolumne stellt nur die Meinung des Autors dar und nicht die der gesamten Film-Freak Redaktion!

„Und dringt dabei in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat“, so lautete seit jeher der Claim der „Star Trek“-Macher. Doch die Serie endete nach nur drei Staffeln 1969 und ließ die Fans in zusammenbrechenden Plasmafeld ihrer Illusionen allein. Mit wenigen Zeitkoordinaten Abweichung gab Kubricks intellektuell philosophische Weltraumodysse dem Scifi im Kino endlich eine neue Hoffnung, doch sollte es 8 Jahre dauern, bis mit „Star Wars“ echter SciFi für die geistig normal gebliebene Masse ins Kino kam. Zu der Zeit laborierte Paramount bereits an einer Neuauflage der alten „Raumschiff Enterprise“ Serie, entschied sich aber kurzfristig um und beamte 1979 den ersten „Star Trek“-Film auf die Leinwand. Mehr und mehr Filme folgten. Nicht alle erfüllten die Fans mit Stolz auf ihre Enterprise „NCC 1701“.

Mit dem Erscheinen des jüngsten Teils wird es einmal Zeit, die „historischen Dokumente“ auf den Hauptschirm zu holen: Waren nicht alle Filme der alten Crew Stoff für die Weltraumputze – „kehren Sie´s unter den Teppich, das will keiner mehr sehen“?

Star Trek: Der Film
Zusammengestrickt aus einem Plot, der freilich kaum genügt hätte für eine Doppelfolge, quält sich dieser Streifen über zwei Stunden durch panoptische, semi-vergeistigte Bildsequenzen. Und erinnert hierin keinesfalls zufällig an Kubricks Meisterwerk („2001„). Douglas Trumbull und Richard Yuricich zeichneten nach ihrer Arbeit an „der Odyssee“ verantwortlich für die Effekte vom ersten „Star Trek“ Streifen. Viel zu lange lässt sich das Drehbuch Zeit mit der Vorstellung des neuen Schiffes, sammelt Helden-Anhalter in der Galaxis zusammen und gönnt der neuen Crew gefühlte zwei Stunden, die sie betroffen auf der Brücke das neuen Schiffes herumoxidieren und schwafeln.

Der zornige Khan und Mr. Spock reloaded
Kein Fan wird wohl dieses Film Doppelgestirn verpasst haben. Der legendäre Tod vom Spock und seine Wiederauferstehung kann man mögen oder nicht. Parallelverwertet wurde die Idee jedenfalls in J. J. Abrams „Star Trek Into Darkness„. Ob Abrams hier geklaut oder ironisch karikiert (in dem er in seiner Variante eher hochnotpeinliche Wiederauferstehungsfolge überspringt) sei dem Zuschauer überlassen.

Zurück in die Gegenwart
Der für mich am meisten zitierte Film der Reihe überhaupt. Wenn hier auch die Heldentruppe doch eher „irdisch“ unterwegs war, lieferte der Film doch eine Fülle von Zitaten, auf die der Fan nicht mehr verzichten möchte. Man verzeiht den Film den „rettet die Wale“ Touch und genießt Scottys Kampf mit der – damals modernen – Computermaus.

Am Rande der Lächerlichkeit
Den folgenden Titel „Am Rande des Universum“ möchte ich diskret im Wurmloch des Schweigens versenken. „Rotten Tomatoes“ pulverisiert das Filmchen mit einem vernichtendes 21% Rating.

Unentdecktes Land
Star Trek VI: Das unentdeckte Land“ bringt Handlung, Spaß und kleine Schießereien. Die Weltraum Überraschung für Trekkers. Mit einer weniger gealterten Crew könnte der Film schlüssiger wirken. „Alte Männer, die auf Bildschirme starren“ hatten langsam ausgedient. So war der Streifen wohl auch als Endpunkt gedacht. Ausgezeichnet mit dem „Saturn Award“ für (unter anderem) „best Writing“ und zwei Oscars für „bestes Makeup und Special“ Effects hätte der Film einen würdigen (wenn auch überbewerteten) Abschluss der „alten Crew“ liefern können.

Am Ende der Reise
Das „Treffen der Generationen“ möchte ich elegant durch einen gezielten rekursiven Torpedo im Wurmloch des eigenen Drehbuches verschwinden lassen und gleich zum großartigen „Der erste Kontakt“ überleiten. Jonathan Frakes schaffte einen genial düster, ironischen Anschluss an- und gleichzeitig Seitenhieb auf die „Next Generation“ Serie. Es folgten zwei belanglose Filmchen.

Die Rückkehr der Phaser Krieger
J. J. Abrams gelang mit „Star Trek“ (2009) ein Überraschungserfolg. Leger verlässt er die Realitätslinie und bugsiert die „alte Enterprise“ durch ungewohnte Handlungspfade. Selbstironisch und spannend verlieh er der neuen alten Geschichte ihren eigenen Flair. Es folgte mit „Star Trek Into Darkness“ ein actiontechnisch opulenter aber doch irgendwie humorlos bemühter Anschlussfilm, der an einigen Stellen einen Drall ins Star Wars Universum anzudeuten schien.

Star Trek Beyond“ balanciert – entgegen allen Befürchtungen – das Franchise gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen selbstironische Nonchalance und formatgetreuem Weltraummärchen. Der Film erlaubt sich, alles „StarTrek-richtig“ zu machen. Geschickt führt Justin Lin die Idee des ersten „neuen“ Universums fort und baut – erlöst von der Fessel der 60er Jahre Drehbücher – eine unerwartet stimmige Brücke zum „Star Trek“, wie wir es (vermeintlich) gewohnt sein werden. Nicht ohne Grund wurde bereits eine Fortsetzung beauftragt. Wir freuen uns drauf!

Was hältst Du vom „Star Trek“-Franchise?

In der Kurzfassung:
Schaut man sich die alten Star Trek Filme an, überfällt einen teilweise nacktes Grauen. Was hat die Serie denn jemals (wenn überhaupt) an guten Filmen die Leinwand gebracht?

Alle Infos zu dem erwähnten Film:

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