Nocturnal Animals | Film-Freak

Film

Teilen auf:

Plakat zu "Nocturnal Animals" © 2017 Film-Freak

Nocturnal Animals

Startdatum
Regie
Schauspieler
Genre
Film-Freak
User
22. Dezember 2016 - 1 Std. 56 Min.
3.5
5.0

Inhaltsangabe

Die in ihrer derzeitigen Ehe unglückliche Kunstgaleriebetreiberin Susan Morrow bekommt eines Tages ein Romanmanuskript von ihrem Ex-Ehemann zugesandt. Darin wird eine Familie überfallen, Frau und Tochter werden vergewaltigt und ermordet und der allein übrigbleibende Familienvater verübt Selbstjustiz an den Verbrechern. Der ruppige Inhalt fasziniert Susan und wird beinahe zu einer Obsession für sie. Dann erkennt sie, dass es in der Geschichte Parallelen zu ihrer eigenen Vergangenheit gibt, wenn auch heftig verzerrt. Sie beginnt, die Entscheidungen, die sie in ihrem Leben gefällt hat, zu hinterfragen.

Details

Nocturnal Animals
Universal Pictures, Focus Features
USA
04. November 2016
22.500.000 US-$
Lies hier warum:
Film-Freak vergibt für "Nocturnal Animals" 3.5 von 5 Sternen!
3.5 Sterne
5.0 Sterne

Bilder

Trailer

Momentan ist kein Trailer zu "Nocturnal Animals" vorhanden. Das tut uns leid!

Videos

Momentan sind keine weiteren Videos zu "Nocturnal Animals" vorhanden. Das tut uns leid!

Kritik

Mit „Nocturnal Animals“ kommt ein eleganter psychologischer Thriller aus der Neo-Noir-Ecke in die Kinos, der sich jedoch nicht davor scheut, phasenweise auch eine etwas rüdere Gangart einzulegen. Ironischerweise spielen darin mit Amy Adams und Isla Fisher ausgerechnet zwei Darstellerinnen mit, die seit etlichen Jahren immer wieder miteinander verwechselt werden.

 

Schauspieler – Gipfeltreffen der Rotschöpfe

Es ist das erste Mal, dass Adams und Fisher gemeinsam in einem Film auftauchen, auch wenn sich ihre Figuren hier nicht direkt begegnen (können), weil der gesamte Cast – mit einer wichtigen Ausnahme – in die Kategorien Filmrealität und fiktionale Novelle als Film-im-Film aufgeteilt ist. Passenderweise übernimmt der fünffach Oscar-nominierte Kritikerliebling Adams einen Part im Rahmenplot, bei dem Emotionen und subtiles Spiel gefordert sind, während die für Unterhaltungsmachwerke zuständige Fisher in der körperlicheren und actionreicheren Rachegeschichte eingesetzt wird. Mit der jungen Ellie Bamber ist sogar noch eine weitere bezaubernde und aufstrebende Rothaarige am Start. Die männliche Hauptrolle übernimmt Jake „Donnie Darko“ Gyllenhaal, der als Einziger in beiden Handlungssträngen auftaucht und sowohl als gehörnter Ehemann und bemühter Schreiberling Edward Sheffield als auch als zorniger Witwer Tony Hastings voll überzeigen kann.

Wertung 4/5 Sternen

 

Story – Beichte und Vorwurf

Der Film basiert auf der 1993er Novelle „Tony & Susan“ von Austin Wright und könnte inhaltlich im weitesten Sinne als Rape’n’Revenge Story eingestuft werden. Dabei gibt sich „Nocturnal Animals“ aber sehr viel „edler“ und keineswegs so exploitativ wie etwa sämtliche B-Filme mit einer solchen Thematik – mal abgesehen davon, dass die Vergewaltigung und die Vergeltung hier lediglich im Manuskript des Romanschreibers stattfinden. Das wirkliche Geschehen als Mantel darum ist dann noch einmal deutlich harmloser. Sehr schnell ist ersichtlich, dass die ruppige Erzählung des Autors etliche Parallelen zu dessen echtem Leben und der gemeinsamen Vergangenheit mit dessen Ex-Frau besitzt: Herr Sheffield hat seine Empfindungen, das Verlassenwerden und den Verlust, darin verarbeitet und schmerzliche Eckpunkte in übertriebener Form hochstilisiert. Und nun lässt er die Liebe seines Lebens durch das Überreichen des Buchentwurfs bewusst und gezielt an seinem Leid teilhaben. Das ist kein allzu komplexer Sachverhalt und zum Glück verschmelzen Fakt und Fiktion nie etwa auf aufgesetzte und unnötig komplizierte Weise miteinander. Lediglich das Ende schlägt zu leise Töne an und hätte gerne mehr Thrillerelemente vertragen können.

Wertung 3/5 Sternen

 

Regie – Erst die zweite Arbeit?!

Der Texaner Tom Ford ist in erster Linie ein Fashion Designer für die Stars. Zu seinen gut betuchten Kunden zählen u.a. Michelle Obama, Tom Hanks, Johnny Depp  und Gwyneth Paltrow. Das Filmschaffen ist eigentlich nur sein zweites Standbein. Umso erstaunlicher ist es, dass Ford hier erst seine zweite Regiearbeit abliefert! Dabei ist das Resultat unfassbar routiniert umgesetzt, so als wäre ein versierter Regie-Workaholic am Werk gewesen. Andererseits erregte schon sein Debütfilm „A Single Man“ im Jahr 2009 Aufsehen. Ford kompensiert also den Mangel an Erfahrung spielerisch mit seinem großen Talent. Auch die Doppelbödigkeit des Stoffs mit den zwei separaten Realitätsebenen bereitet ihm offenbar nicht die geringsten Schwierigkeiten. Da Ford zusätzlich auch das Drehbuch verfasste und den Film produzierte, wirkt im Ergebnis alles wie aus einem Guss.

Wertung 4/5 Sternen

 

Filmmusik – Sehr unaufdringlich

Der aus Polen stammende Abel Korzeniowski war zunächst einige Jahre lang in seinem Heimatland als Filmkomponist tätig, bevor er den Sprung in die USA wagte. Zuletzt schrieb er die Musik für die Fantasyhorror-Fernsehserie „Penny Dreadful“. Seine zurückhaltende Untermalung für Tom Fords Buchverfilmung ist angenehm fürs Ohr und passt sich von der Geschwindigkeit und Intensität her den jeweiligen Filmpassagen an – wenn sie denn mal hörbar ist. Das alles bedeutet aber auch, dass dieser gefällige Klangteppich beliebig austauschbar bleibt und in keiner Weise aus dem Gros von heutigen Movie Scores herausragt. Es fehlt so ein bisschen die eigene Identität bei diesen Tönen. Gerne hätte Korzeniowski seine Herkunft stärker betonen dürfen, um „Nocturnal Animals“ vielleicht noch etwas altmodischer und „europäischer“ klingen zu lassen – alles, um sich nur nicht wie dieser  Hollywood-Einheitsbrei anzufühlen.

Wertung 3/5 Sternen

 

Nachbearbeitung – Verwirrung verhindert

Es handelt sich selbstredend um kein protziges Spezialeffektgewitter. Die Leistung in der Postproduktion liegt vielmehr darin, beide Ebenen in der Handlung schön säuberlich voneinander zu trennen. Hierbei ist die visuelle Abgrenzung nicht etwa so ausschlaggebend wie die Unterschiede in Stimmung und Tempo. Führte einer der schneller zusammengeschnittenen Trailer etwa das Publikum ein wenig an der Nase rum und simulierte einen Film mit nur einem einzigen großen Handlungsstrang bzw. ein Überlappen von Phantasie und Wirklichkeit, so ist das finale Produkt dann doch wesentlich ruhiger und geordneter trotz seiner angestrebten verzerrten Dualität der Ereignisse. Der Zuschauer sollte darum niemals Schwierigkeiten damit haben, sich da zurechtzufinden, weil im Schneideraum mit sehr viel Sorgfalt gewerkelt wurde.

Wertung 3½/5 Sternen

 

Fazit – Eine schrecklich-schöne Parabel

Bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig gewann Fords Film mit dem Großen Preis der Jury die zweitwichtigste Auszeichnung im Wettbewerb. Anschließend wurde er auf der Frankfurter Buchmesse zur besten internationalen Literaturverfilmung gekürt. Diese Vorschusslorbeeren sind durchaus berechtigt, wovon sich nun jeder deutsche Kinobesucher selbst überzeugen kann: „Nocturnal Animals“ ist ein leidlich spannendes, aber vor allem intelligentes und schick konstruiertes Psychodrama mit leichtem Arthouse-Anstrich und keineswegs eine weitere dröge Literaturverfilmung.

Wertung 3½/5 Sternen

 

Wertungsdetails

Gesamt: 3.5

Wertungen

"Nocturnal Animals" ist bisher von 2 Usern bewertet worden. Dabei haben sie im Schnitt 5.0 von 5 Sternen vergeben.

Aktuelle Nachrichten

Aktuelle Specials

Aktuelle Kolumnen

kommentieren
Antworten
  • 25. Oktober 2017 auf 14:35

    Ich kann nur sagen: Ich fühlte mich so in den Film gezogen, wie es nur selten vorkommt.
    Die Geschichte hat Regisseur Tom Ford so intensiv erzählt und Jake Gyllenhaal überzeugt mit Amy Adams auf voller Linie.

    Meine Bewertung 4,5/5.

Antwoten