Der Untertan | Film-Freak

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Der Untertan

Startdatum
Regie
Schauspieler
Genre
Film-Freak
User
31. August 1951 - 1 Std. 49 Min.
4.0
4.0

Inhaltsangabe

„Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt.“ So weit, so gut: Diederich wird als Sohn eines Papierfabrikanten geboren, studiert in Berlin, gerät in eine Studentenverbindung und den Wehrdienst. Nach dieser Vorgeschichte seines Lebenslaufs übernimmt er die Papierfabrik in seinem Heimatstädtchen Netzig und möchte sich zu Höherem aufschwingen. Denn Heßling kennt nur zwei Themen, mit denen er sich wahnhaft beschäftigt- seinen Kaiser und die Macht. Beides gibt ihm eine feste Struktur in der Gesellschaft, er weiß welchen Mächten er sich zu beugen hat und auf wen er Macht ausüben kann. Dabei hat er stets den Aufstieg in seiner Machtspirale vor Augen, arbeitet sich gesellschaftlich und lokalpolitisch immer weiter nach oben, und das alles unter dem Deckmantel des Nationalismus‘ und seines geliebten Kaisers. Nach dem schicksalhaften „Prozess Lauer“ gelingt Diederich und seinen Verbündeten der nationalen Sache die Machtgewinnung in der Stadt; mehr und mehr wird Heßling zum taktierenden Politiker, der die Bürger mit seinen kaisertreuen Reden zu politisieren weiß, während er getreu seines kaiserlichen Vorbilds „seine Gegner zerschmettert“, in seinem Fall Netzigs Liberale, welche lediglich die Werte der Demokratie bewahren möchten.

Details

Der Untertan
Deutsche Film (DEFA)
Deutschland
31. August 1951
Lies hier warum:
Film-Freak vergibt für "Der Untertan" 4.0 von 5 Sternen!
4.0 Sterne
4.0 Sterne

Bilder

Trailer

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Kritik

Noch ist der „Skandal“, den Jan Böhmermann mit seinem Beitrag zu dem türkischen Präsidenten Erdoğan aufgewirbelt hat, in aller Munde und wird von allen Seiten kommentiert. Nunmehr auf das Thema aufmerksam geworden, soll der für den drohenden Böhmermann-Prozess relevante „Majestätsbeleidungs-Paragraphen“ in Kürze fallen. Interessant wäre es zu überlegen, wie es einem Jan Böhmermann in der Vergangenheit ergangen wäre: In „Der Untertan“ wird ein Fabrikant, der die deutsche Majestät Kaiser Wilhelm II. indirekt verunglimpft hatte, nach seinem Gerichtsprozess vollends in den Ruin getrieben. Abgesehen von dieser kleinen Schnittstelle-wobei der Prozess durchaus ein zentraler Wendepunkt dieses Films ist- kann „Der Untertan“ durch seine brisante Story, den oberflächlichen doch umso interessanteren Figuren und einem gnadenlos guten Hauptdarsteller auch die heutigen Zuschauer überzeugen- schließlich wurde er 1951 in der DDR gedreht und sechs Jahre lang dem Westen vorenthalten! Doch was macht ihn -wie auch seine Buchvorlage-  zu einem Klassiker der deutschen Filmhistorie? :

Schauspieler- Werner Peters in Prestigerolle, viele suboptimal gecasted

Seine Rolle im „Untertan“ sollte Werner Peters zeit seines Lebens anhaften und zu Recht wurde er für seine Verkörperung des Protagonisten Diederich hoch gelobt! Peters spielte in seinem weiteren Karriereverlauf bis 1955 in der DDR, wirkte dort in „Der Biberpelz“ und „Die Geschichte vom kleinen Muck“ mit, bis zu seinem Tod 1971 spielte er in der BDR unter Anderem in „Scotland Yard jagt Dr. Mabuse“, „Durchs wilde Kurdistan“ oder „Das Mädchen Rosemarie“. Peters war die optimale Besetzung für seine Rolle und konnte traurigerweise dabei mit Hitler konkurrieren: Sechs Jahre war der Krieg her und ein Werner Peters tobte bei seinen nationalistischen Reden, dass man bei seinem Duktus und Rhetorik unweigerlich an den Diktator denken musste, was natürlich vom Film so vorgesehen war. Recht ungerechtfertigt, dass er nur mit einem der zahlreichen zur Verfügung gestandenen Filmpreisen ausgezeichnet wurde. Doch auch der weitere Cast konnte in ihrer Nebenrollenfunktion durchaus mithalten: Unter Anderem Paul Esser, Renate Fischer oder Friedrich Gnaß glänzten in ihren beschaulichen Rollen; während Wolfgang Kühne, Axel Triebel oder Raimund Schelcher zwar durchaus gut spielten, aber äußerlich und stimmlich vielleicht nicht ganz glücklich für ihre Rollen gewählt wurden.
Schlechtes Acting findet man nur in Szenen von Sabine Thalbach und Carola Braunbock, wobei die Frauenrollen zu dieser Zeit nicht viel mehr Spielraum übrig ließen. So mögen die gekünstelten Weinszenen der beiden Schauspielerinnen durchaus so im Drehbuch vorgesehen und dem Geist der Zeit entsprochen haben, sind für heutige Verhältnisse jedoch unangenehm anzuschauen.

Wertung: 4/5 Sterne

 

Story- Interessant, ungewohnt mit vielen guten, aber auch schlechten eigenen Ideen

Wie auch Heinrich Manns Buch, das dem „Der Untertan“ zugrunde liegt, begeistert der Film durch seine hochinteressante Thematik, die auch über die Jahrzehnte hinweg nicht an ihrer Brisanz verliert. Zudem arbeitet er wohl mit einem der grundunsympathischsten Protagonisten der Filmgeschichte und auch die anderen Charaktere bestechen nicht gerade durch ihre Liebenswürdigkeit. Dies konnte im Film auch nur so umgesetzt werden, indem man Manns Erzählweise und die Haupthandlung beibehielt. Tatsächlich übernahm man recht konsequent die Buchhandlung und hätte sogar kürzen können, einzelne Passagen vom Off-Erzähler wurden als Handlungsbrücken beinahe wortwörtlich aus dem Buch entnommen. Dennoch wurde in der Handlung durchaus Eigenarbeit geleistet; unwichtige Figuren im Script weggelassen, kleine Auslassungen durchaus glaubhaft umgangen. Neben intelligenten Anspielungen und witzigen Situationen, gelang der beste Einfall aber mit dem alternativen Ende, das zumindest im Film die bessere Wahl war!

Nur kleinere Schnitzer entstanden in der Film- und Handlungslogik: Etwa Anachronismen, die Beweggründe der Figur „von Wulchkow“ oder das Einführen der Figur „Wolfgang Buck“, der quasi aus dem Nichts erscheint. Die Charakterentwicklung der Hauptfigur erschien ebenfalls nicht ganz sinnvoll, zu Beginn noch lautlos, taut Diederich nach dem ersten Filmviertel schlagartig auf und wird auf einmal selbstbewusster- eine stetige Steigerung wäre angebrachter gewesen. Wirklich viel unterschied den Film in den Dialogen, sowie generellem Aufbau nicht vom Theater, ironischerweise wird das innerhalb einer Theaterszene im Film noch einmal verdeutlicht, die in ihrer Steifheit und Pathos ebenso in den Dialogablauf der Rahmenhandlung hätten aufgebaut werden können.

Dennoch brilliert „Der Untertan“ durch seine erzählerischen Kompetenzen; die Handlung, die Charaktere und die Thematik machen doch diese Geschichte so wertvoll und einzigartig. Eigene Ideen, die gewagt wurden, können nun einmal glücken und die Handlung verbessern, aber auch aus dem Ruder laufen oder einfach nicht gelingen.

Wertung: 4/5 Sterne

 

Regie- Linker Regisseur und Kameraarbeit, die ihrer Zeit voraus war

Der Regisseur Wolfgang Staudte erkannte die politische Relevanz seines Berufs und schoss nicht nur im „Untertan“ gegen den vorangegangen Nationalsozialismus und gegen rechte Ideen, auch mit „Die Mörder sind unter uns“ lieferte er einen kritischen Beitrag zu der Nachkriegszeit. Letzten Endes vergraulte Staudtes politischer Idealismus die Zusammenarbeit mit der ostdeutschen Filmgesellschaft DEFA und er wandte sich harmloserem Material, wie zahlreiche „Tatort“-Fernsehfilme oder „Die Geschichte vom kleinen Muck“ zu.
Staudte hatte ein Gespür für wertvolle Romanvorlagen und wusste dies auch sinnvoll zu verfilmen, wenn er auch mit eigenen Ideen im Großen und Ganzen eher rar bleibt. Dennoch gelang ihm die sinnvolle Kombination der einzelnen filmischen Bestandteile zu einem großartigen Gesamtwerk- fraglich, ob das ein anderer Regisseur so noch einmal schaffen würde.

Die Kameras wurden selbst nach modernen Maßstäben innovativ und experimentell verwendet und die Kameraführung war selbst zu ihrer Zeit etwas ungewöhnlich. Die Bildverfolgung erschien flüssiger, als man hätte erwarten können, und auch das Gesamtbild wirkte deutlich und klar, da man fast durchgängig vor einer „Realkulisse“ arbeitete. Gemessen nach heutigen Maßstäben wirkte das Bild doch akzeptabel und ansehend- natürlich wenn man sich nicht am Schwarzweißfilm an sich stören lässt. Kameraspielereien wurden gekonnt wirkungsmächtig eingesetzt: Ein anderer Kamerawinkel, plötzlicher Schatteneinfall oder Zoom auf den „Mächtigen“  nach dem Erwähnen des Wortes „Macht“. Wenig Aufwand und eine schaurige Wirkung- machte sich auf jeden Fall bezahlt!

Wertung: 5/5 Sterne

 

Filmmusik-  Hört sich gut an, wird aber nicht sinnvoll verwendet

Natürlich lässt sich kein offizieller Soundtrack mit einzelnen Stückbezeichnungen einsehen, die Filmmusik befand sich schließlich auf einem völlig anderen Niveau, möchte man sie mit den heutigen Filmen vergleichen. Horst Hanns Sieber war für die musikalische Untermalung im Film verantwortlich und leistete im Grunde genommen eine ganz zufriedenstellende Arbeit. Schlechter Auftakt war der Filmbeginn, die Marschmusik passte zwar thematisch, wechselte aber mit skurrilen Sequenzen ab und war im negativen Sinne experimentell gehalten. Später unterbrachen einzelne Musikstücke, zum Beispiel ein Auftritt im Varietétheater, die Filmhandlung- hätten sogar kürzer gehalten oder im Hintergrund eingebunden werden können. Dennoch, die langgezogene „Nati-Nati-on“ unterstreicht mit ihrem Wortwitz noch einmal die Grundhaltung des Films. Spätere Marschmusik hörte sich klanglich ästhetisch an, erneut scheiterte es aber an der sinnvollen Einbindung: Zwei Szenenhandlungen wechselten sich immer wieder ab, nur in einer ertönte die Musik, während diese nach dem Schnitt schlagartig verstummte. Felix Mendelssohn Bartholdys Hochzeitmarsch mag zu dieser Zeit zwar nicht zu oft in- wie könnte es anders sein- Hochzeitsszenen verwendet worden sein, für den heutigen Hörgeschmack hat der Marsch allerdings alle Grade der Ausgelutschtheit erreicht. Abgerundet wird der musikalische Beitrag erneut mit pompösen Marschklängen.
Somit scheiterte es nicht an einem minderwertigen musikalischen Klang oder mangelnder Innovation, sondern dem notwendigen Einbinden in den Handlungshintergrund, bzw. den generell zu laut gehaltenen Kompositionen.

Wertung: 3/5 Sterne

 

Nachbearbeitung- Schnitt teils schön, teils unnötig und hässlich aufgebauscht

Eine Nachbearbeitung nach dem heutigen Verständnis, lässt sich selbstverständlich nicht von einem 1951-Film erwarten. Und dennoch konnte er überraschen: Eine nachträgliche Beschleunigung der Aufnahme- in dem Fall das Wuseln der Schüler auf ihre Plätze zu Filmbeginn- instinktiv muss man an alte Klassiker von „Dick und Doof“ oder „Charlie Chaplin“ denken und erschiene dieser Effekt nicht heutzutage so lächerlich, könnte man ihn sich durchaus wiederwünschen. Schnitttechnisch bot sich dafür eher eine Kritikfläche: Der Bildablauf wirkte durch kurze harte Schnitte sehr flüssig, entspricht also durchaus den heutigen Filmstandards. Besonders der Szenenwechsel mit der Marschmusik im Hintergrund hatte einen lebhaften und modernen Schnitt, den man zum Beispiel von 80er-Jahre Filmen noch hätte erwarten können. Allerdings griff man ebenso gerne auf unnötige Schnitteffekte über, in dem Fall der von links nach rechts zugehende schwarze Vorhang. Vielleicht mag das dem visuellen Geschmack dazumal entsprochen haben- heute wirkt es, als wäre es aus der PowerPoint-Präsentation eines Grundschülers entnommen. In dem Sinne hätten die kurzen und prägnanten Schnitte durchaus für ein zufriedenstellendes Bildergebnis ausgereicht.

Wertung: 3,5/ 5 Sterne

 

Fazit- Eher unerkanntes Potential, mögliche Basis für Neufassung

„Der Untertan“ hat eine eindringliche Message und verpackt diese hinter einer klugen, ironischen Handlung, die oberflächlich so ziemlich das Gegenteil darstellt. Die Verfilmung konnte durchaus gerecht dieser Verantwortung in der Handlung gerecht werden, doch auch die Schauspieler und der Regisseur leisteten ihre Arbeit zu dem Erfolg des Films. Zwar mag der Film nicht zu der bekannten Liste der Klassiker deutscher Filmkunst gehören und ist auch vielen Experten nicht bekannt, doch es spricht nichts dagegen, warum „Der Untertan“ nicht als solcher Klassiker behandelt werden sollte. Eventuell würde der wertvollen Handlung eine Neuadaption gut tun- dann aber bitte nicht von der Mainstream-Filmindustrie angefasst werden- aber es ist fragwürdig, ob sich eine Neuauflage mit dem Original wirklich messen lassen kann.

Wertungsdetails

Gesamt: 4.0

Wertungen

"Der Untertan" ist bisher von 1 Usern bewertet worden. Dabei haben sie im Schnitt 4.0 von 5 Sternen vergeben.

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